Samstag, 31. Januar 2009

Taipei & Taichung revisited

[von sönke]

Wir sind aus den Neujahrsferien zurück, was in altbewährter Manier Anlass für einen Reisebericht bietet.
Als Verkehrsmittel wählten wir dieses Mal den Fernbus, denn dieser ist günstiger, jedoch genauso schnell wie die reguläre Eisenbahn. Mit der 300 km/h schnellen Taiwan High Speed Rail können die Busse natürlich nicht mithalten, aber wenn man nicht auf superschnelles Fortkommen angewiesen ist, sind sie eine sehr bequeme Alternative. Je nach Busgesellschaft variiert der Preis und der Komfort, ein 10 Zoll Monitor mit DVD Programm ist jedoch allgemeiner Standard. Zusätzlich Videospiele und superbequeme Sessel, in denen es sich prima schlafen lässt, bieten die Busse von Ho Hsin.


Von Taipei zurück nach Kaohsiung gelangten wir so ganz entspannt für ca. 16€ in 4 Stunden, da kann man nicht meckern.
Aber erst einmal alles der Reihe nach, denn unsere erste Station war Taichung, wo wir Gugu I. und ihrer Familie einen Besuch abstatteten. Dort waren wir schon einmal im Oktober in Begleitung von Izns Vater gewesen.
Dieses Mal hatten wir uns ganz frech selbst eingeladen, um das chinesische Neujahrsfest im Kreis von Izns Verwandtschaft zu feiern. Erwartungsgemäß gab es lecker und reichhaltig zu essen und es herrschte reger Betrieb, da viele Freunde und Verwandte zu Besuch kamen, zeitweilig waren 30 Leute zu Gast. Es wurde reichlich Karten und Mahjong gespielt, selbstverständlich um Bares, denn es soll ja auch spannend sein. Bargeld war genug in den Taschen, denn traditionell werden rote Umschläge mit Geldscheinen an die Verwandten verteilt. Es schenken jedoch nicht nur die Älteren den Jüngeren, sondern jeder schenkt jedem Geld. Für uns war es jedenfalls ein Erlebnis, einmal ein traditionelles chinesisches Fest hautnah miterleben zu können.

Am nächsten Tag fuhren wir ins nahe gelegene Lukang, eine kleine Stadt, die früher einmal ein florierender Hafen war. Seit gut 100 Jahren ist dieser jedoch versandet und die Stadt hat nunmehr historischen Wert, da sich angeblich seitdem nicht mehr viel verändert haben soll. Wir fanden nicht, dass sich Lukang im Stadtbild großartig von anderen kleinen Städten unterscheidet, aber das ist eigentlich auch egal, da es quasi ein riesiger Rund-um-die-Uhr Nachtmarkt mit einem historischen Tempel ist.

Die verkehrsberuhigten Straßen waren vollgestopft mit Menschen, die ebenso wie wir die freien Tage zu einem Ausflug nutzten und in den windigen Gassen für Umsatz an den unzähligen Imbissständen sorgten. Abends besuchten wir abermals Gugu I., und zu unserem Erstaunen spielte ein Teil der weiblichen Verwandtschaft immer noch Mahjong! Auch als wir in unser Hotel aufbrachen, waren sie immer noch dabei, selbst nach 24 Stunden war kein Ende abzusehen.
Wir fuhren am nächsten Tag nach Taipei und besuchten nach dem Einchecken ins Hotel die Familie von Onkel Hsu I., die wir bei unsrem letzten Taipei-Besuch taifunbedingt nicht mehr gesehen hatten. Auch hier wurde reichlich und lecker Essen aufgefahren, wir seien allerdings selbst schuld, dass wir uns nicht frühzeitig angemeldet hätten, sonst hätte man uns selbstverständlich mehr aufgetischt…
Izn hat somit endlich auch den vierten Onkel väterlicherseits samt Familie einmal bewusst kennengelernt. Das letzte Treffen liegt mit gut 20 Jahren bekanntlich zu lange zurück, als dass sie sich noch erinnern könnte.

Am folgenden Tag wurden wir von angenehmen 21 Grad Außentemperatur und guter Sicht überrascht, daher fuhren wir auf den Taipei 101.

Zu unserer großen Freude war das 91. Stockwerk mit der Aussichtsplattform unter freiem Himmel anlässlich des Chinesischen Neujahrsfestes geöffnet, so dass wir uns den Wind in knapp 400 Metern Höhe um die Nase wehen lassen konnten.

Die Sicht dort oben war wirklich einmalig.

Der Rückweg zum Hotel führte über die Sun Yatsen Gedächtnishalle, deren Ausstellungsräume allerdings schon geschlossen hatten.
Am nächsten Tag haben wir uns die ungleich imposantere Chiang Kaishek Gedächtnishalle angesehenund uns danach mit dem derzeitigen Exilhamburger Klaus und seiner taiwanischen Freundin auf ein Opfer beim Tempel der Stadtgottheit von Taipei getroffen.

Der Stadtgott beim Verspeisen der Opfergaben

Praktischerweise mag der Stadtgott am liebsten Süßigkeiten, die er nur immateriell verspeist, er hat also nix dagegen, wenn man die Opfergaben hinterher selbst verkostet, so einen Stadtgott lob ich mir! Wo wir schon mal dabei waren, haben wir auch gleich noch beim Liebesgott nebenan angefragt, ob eventuell ein gutes Wort beim Schicksal für uns beide eingelegt werden könnte, sowas kann schließlich nie schaden.

Frohen Mutes nahmen wir jetzt die nächste Etappe in Angriff und fuhren zu den heißen Quellen nach Beitou. Wir gingen immer der Nase nach und fanden einen kleinen, nach Schwefel riechenden See, aus dem es ordentlich dampfte.



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Das Wasser ist zwischen 80 und 100 Grad heiß und wird von diversen Hotels sowie einem öffentlichen Bad genutzt.Für umgerechnet 1,50€ verschafften wir uns Eintritt in letzteres und konnten uns unter freiem Himmel in dem heißen Quellwasser von den Fußmärschen durch Taipei erholen, wirklich empfehlenswert!

Für den letzten Tag hatten wir einen Besuch im Zoo von Taipei geplant, der seit kurzem zwei Pandabären beherbergt. Diese sind hierzulande mindestens ebenso medienpräsent wie seinerzeit Knut in Deutschland. Das Wetter machte uns allerdings einen Strich durch die Rechnung, denn es regnete in Strömen bei kühlen 15 Grad. Der hohe Besucherandrang im Zoo tat ein Übriges, so dass wir beschlossen, in die sonnigen heimatlichen Gefilde zurückzureisen, Taipei hat uns aber mit Sicherheit immer noch nicht das letzte Mal gesehen.

Mehr Fotos von der Reise gibt es hier zu sehen.

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