Freitag, 10. April 2009

Ausflug der dritten Art

[von sönke]

So, wie versprochen folgt an dieser Stelle eine kurze Schilderung des jährlich stattfindenden Ausflugs unserer Uniabteilung vor einer Woche.
Teilnehmer waren sowohl Lehrer als auch Schüler, so dass ein Reisebus gefüllt werden konnte. Es sollte nach Meinong und nach Tengjhih gehen, beides ca. eine gute Stunde nördlich von Kaohsiung gelegen. Meinong ist eine Ortschaft, deren Bewohner mehrheitlich der Hakka Volksgruppe angehören, und in deren Kultur man dort einen kleinen Einblick nehmen kann. Tengjhi (oder eigentlich Tengzhi) ist ein Naturschutzgebiet im südlichen Bergland und besteht im Wesentlichen aus Wald, Bergen und Nebel.


Bergwald mit Nebel: Tengjhih


Aber alles der Reihe nach…
Als Abfahrtzeit war morgens 7:50 Uhr angesetzt, so dass wir dann auch pünktlich um 8:30 losfahren konnten, um an der U-Bahnstation die letzte Nachzüglerin, unsere Lehrerin „Tante“ Liu einzusammeln… Wer sie einmal gesehen hat, weiß, wie sie zu ihrem Spitznamen gekommen ist. Später beklagte sie sich bitterlich, denn sie fand heraus, dass die Reiseroute genau an ihrer Haustür vorbei führte, da hätte man sie doch abholen können etc.


Ich hingegen war trotz meiner Müdigkeit frohen Mutes, denn bei unseren Reisen auf dieser schönen Insel habe ich schon oft neidische Blicke auf die diversen taiwanischen Reisegruppen geworfen, die regelmäßig in bunten Reisebussen die Sehenswürdigkeiten Taiwans heimsuchen und dort fröhlich schnatternd und mit Anstecknadelnd gekennzeichnet einander fotografieren und die Souvenirläden zur großen Freude der Inhaber stürmen.
Ei, wie schön wäre es wohl, selbst einmal Teil einer solchen Gesellschaft zu sein, und vor allen Dingen, was passiert eigentlich in so einem heiteren Bus während der Reise? Schlafen alle, wie im Zug oder in der U-Bahn? Sehen sie sich aus dem Fenster die vorbeiziehende Landschaft an? - (unwahrscheinlich) – Oder spielen sie Mahjong? Wenn ja, wie hoch ist der Mindesteinsatz?
Die Antwort auf meine Frage sollte ich, kurz nachdem ich mir vor Aufregung mit der Anstecknadel mein T-Shirt zerrissen hatte, schon bald erhalten.

Ich hätte eigentlich gar nicht lange überlegen müssen, aber offenbar habe ich auch nach über einem halben Jahr Aufenthalt noch kein tieferes Verständnis für die landestypischen Gewohnheiten entwickelt: natürlich wird während der Fahrt Karaoke gesungen. Supi, was kann es am frühen Morgen Schöneres geben, als den süßen Klang der Begleitautomatik einer Karaoke-Maschine? Eine ordentliche Portion Gnadenhall auf das Mikro, und los geht es mit schwülstigen chinesischen Schlagern, ächz…
So richtig in Fahrt kam die Gesellschaft jedoch nicht, so dass einzig Frau Gong, ihres Zeichens Mitarbeiterin in der Verwaltung unserer Uniabteilung, unsere Fahrt mit einzelnen gesungenen Textfragmenten versüßte, die sie von den scheinbar wahllos in die Karaoke-Maschine eingegebenen Titeln noch in Erinnerung bringen konnte. So etwas nenne ich mal konsequent.

So verging die Fahrt wie im Flug, und wir hatten bei unserem ersten 20-minütigem Stopp Zeit, uns in einem frei in der Gegend herumstehenden Souvenirladen auszutoben und unter anderem typische Hakka-Souvenirs wie Plastikgartenzwerge oder neongrüne Spielzeugpistolen in Augenschein zu nehmen. Wer wollte, konnte natürlich auch einfach nur örtliches Kunsthandwerk shoppen.

Quatsch mit Lehrern und Drachenschildkröte: v.l. "kleine Schwester" Hong, "Meister" Shi, Frau XY aus der Verwaltung

Nächste Station waren die 18 Arhat Mountains, spektakulär anzusehende Felsformationen, die durch Erosion entstanden sind. Leider können wir hier keine Bilder zeigen, denn wir hatten unseren Fotoapparat vergessen, und auf den Bildern, die uns unsere Lehrerin zur Verfügung gestellt hat, sind nur Menschen und Essen zu sehen, die Landschaft war wohl nicht fotogen genug...

An den Arhat Mountains bildete sich auch die Vorgehensweise für die Gruppenfotos heraus: Damit auch jeder ein Gruppenfoto auf seiner Kamera erhielt, wurden unserer freundlichen Reiseführerin alle sich im freien Umlauf befindlichen Kameras umgehängt, und es hieß stillstehen und grinsen für die nächsten 10 Minuten, bis auf jeder Kamera ein Gruppenfoto gespeichert war. Dieses Ritual sollte sich zur großen Freude aller Beteiligten noch unzählige Male an vielen verschiedenen Orten wiederholen.


Gruppenbild mit Mönch

Wenn gerade kein Foto mit der gesamten Gruppe ansteht, kann man sich auch prima in kleineren Gruppen fotografieren lassen. Hierbei kann man sich sicher sein, dass sich noch irgendein asiatischer Mitreisender, den man nicht kennt, mit dazugesellt um sich fröhlich grinsend, mit einer Hand das Victory Zeichen formend, für die Ewigkeit digitalisieren zu lassen.
Hier also ein als Dreiergruppe geplantes Motiv:



"3er Gruppenbild" mit Chini, "kleiner Schwester" Hong und Frau Gong, aber wer zum Teufel ist das ganz links?

Es ging weiter nach Tengjhih, und mein Respekt für den Busfahrer wuchs mit jedem Meter, den er das Gefährt die enge Straße den Berg hochquälte. In Taiwan schließt an die Straßenränder nämlich oft übergangslos ein kleiner Wassergraben aus Beton an, in den prima ein Reifen passt, Achsbruch lässt grüßen. Dass nach dem Wassergraben oftmals ein äußerst steiler Abgrund folgt, soll hier der Vollständigkeit halber ebenfalls noch Erwähnung finden, Schädelbasisbruch lässt bei der Gelegenheit auch grüßen.
In 1500 Metern Höhe war die Luft dann schon spürbar kühler, und es wurde zu unserer großen Freude ein reichhaltiges und leckeres Essen aufgefahren.



typisch taiwanische Tafel (juhu, Alliteration!) mit Pappbechern und Plastiktischdecke

Anschließend ging es auf eine kleine Wanderung in den von Nebelschwaden eingehüllten Wald, eine wirklich besondere Atmosphäre mit wohltuender Luft für die großstadtgeplagten Lungen. Aus Sicherheitsgründen fiel der Fußmarsch ein wenig kürzer als geplant aus, denn es wurde immer nebliger, was schlechte Sicht für den Rückweg verhieß, und so gingen wir kein Risiko ein und fuhren bei guter Sicht die Bergstraße wieder hinunter zur letzten Station, einer kleinen traditionellen Gasse in Meinong, in der es Souvenirs und kulinarische Hakka-Spezialitäten zu bestaunen galt. Ich probierte einen Tee mit diversen von uns frisch gemörserten Zutaten wie Sesam, Erdnüssen und roten Bohnen (sehr nahrhaft und durchaus wohlschmeckend) sowie ein typisches Gericht aus Reisnudeln, vor dem ich jedoch gewarnt worden war. Es stellte sich allerdings als durchaus lecker heraus, ich hatte eigentlich auch nichts anderes erwartet. Zur Feier des Tages bot mir unser Lehrer Meister Shi noch einen Happen in Essig gekochten Darm an, da konnte ich ja wohl kaum nein sagen. Wertung: kein Kommentar…

Um derlei Erlebnisse bereichert traten wir die Rückfahrt an, und auch Frau Gong hatte diesmal ein Einsehen und schaltete statt der Karaoke Maschine den DVD-Player ein, so dass wir noch in den Genuss einer Filmvorführung kamen. Auch Tante Liu kam zu ihrem Recht, sie wurde zwar nicht bis vor ihre Haustür kutschiert (denn auf der Rückfahrt kamen wir dort nicht vorbei), aber immerhin brauchte sie nicht bis zum Endpunkt mitzufahren, sondern durfte an einer U-Bahn Haltestelle den Bus verlassen.

Auch auf Taiwan erhältlich: lecker Wildschwein!

Samstag, 4. April 2009

Criminal Investigation Bureau

[von izn]

Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von: „Was treiben die beiden da eigentlich den ganzen Tag…?!“ - Nun, nachdem wir Sönkes 35. Geburtstag erfolgreich hinter uns gebracht haben, hat uns die frohe Nachricht eines weiteren Strafzettels ereilt – ach ja, bezüglich der Blitzerampel ist es übrigens bei dem einen Ticket geblieben, puuuh – Auf unserer letzten Rundreise-Tour gab es da wohl irgendwo eine Geschwindigkeitsüberschreitung, die uns 1700 NTD kostet. Dies haben wir aber diesmal nicht per Post erfahren sondern per SMS auf‘s Handy… bequemerweise wird der Betrag auch gleich direkt von unserer Kreditkarte abgebucht. Offenbar der übliche Weg, wenn man ein Verkehrsdelikt mit einem Mietwagen begeht… schade nur, dass wir Euch diesmal kein Foto präsentieren können.

Studienmäßig geht es dieses Trimester etwas ruhiger zu Werke, zumindest was den Vokabellernstresspegel angeht. Das ist aber auch bitter nötig, denn auch wenn die Quantität zurzeit einigermaßen erträglich ist, so kann man das von der Qualität nämlich nicht behaupten. Damit meine ich nicht die Sinnhaftigkeit der einzelnen Vokabeln, sondern vielmehr deren Schwierigkeitsgrad.

Wie ich von unserer kürzlich erworbenen Tandempartnerin (Sprachpartnerin), Nadine, gehört habe, soll Chinesisch angeblich am Anfang einfach sein – ha, wer’s glaubt!!! – und später immer schwieriger werden – das hingegen kann ich unterschreiben!!! Mit Deutsch soll’s übrigens andersherum sein… Mmmh, hab ich noch nie so drüber nachgedacht… vielleicht liegt’s daran, dass Deutsch ein SYSTEM hat?!? Das sich Grammatik schimpft ;o)

Nadine lernt seit 2 Jahren Deutsch an der NKFUST, und ist die 學妹 („Studien-Kleine-Schwester“ oder einfach Tutandin) von Livi, der Freundin unseres Kommilitonen, Alex. Bisher treffen wir uns zu dritt mit Sönke, der aber vielleicht beim nächsten Treffen eine eigene Tandemianerin vorgestellt bekommt, nämlich Anja, die Freundin und Jahrgangskollegin von Nadine.

Lasst Euch nicht durch die deutschen Namen irritieren, es handelt sich um Taiwanerinnen. Das ist hier einfach so, dass man sich 50.000 Namen gibt. Habt Ihr nicht auch früher in der Schule aus Spaß im Englischunterricht einen englischen Namen bekommen? Nun, so in etwa ist es hier auch, nur dass man den Namen hier auch im alltäglichen Leben benutzt, bspw. auf den hier so beliebten Visitenkarten - hast Du keine, bist Du niemand! Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat JEDER Taiwaner, der hier lebt, einen englischen Namen, nur so zum Spaß, ohne amtliche Anerkennung. Das Spiel lässt sich beliebig oft fortsetzen, z.B. mit deutschen Namen, spanischen Namen, lateinischen Namen, griechischen Namen, etc... So seltsame direkte Namensübersetzungen wie “Ie-Chen“ gibt es nur bei im Ausland geborenen Taiwanern. Hier würde ich schlichtweg 儀珍 oder einfach Nancy heißen – jaaaa, mir ist halt in der 5. Klasse kein besserer Name eingefallen, 'tschuldigung!


In unserem Zeitungslesekurs nehmen wir zurzeit die Rubrik „Gesellschaftliches“ durch, mit Schwerpunkt auf Kriminalität. Ein wie ich finde sehr interessantes Thema, mit leider noch „interessanteren“ Vokabeln, wie z.B. 竊盜 (qièdaò - Einbruch)… Naja, zum Glück ist es ein LESE-Kurs und wir müssen das Gewurzel nicht unbedingt schreiben können.

Zu dem Thema bin ich dann auch ein bisschen im Netz herumgesurft und auf die Website des hiesigen Criminal Investigation Bureaus gestoßen: ein Klick lohnt sich.

Im Vergleich dazu hier die Internetseite unseres deutschen Pendants : klick

Schon ein bisschen witzig, finde ich.


So, meine Damen und Herren, nun ist es mal wieder Zeit für eine kurze Pause. Nach der Werbung erfahren Sie, wie Sönke und Ie-Chen an einem Ausflug der dritten Art teilnahmen… dann gibt's auch wieder ein paar Fotos ;o)

Donnerstag, 19. März 2009

Manchmal kommt es anders

[von izn]

Meike hat sich nach gut 3 Wochen fleißiger Inselerkundung heute Vormittag wieder gen Schenefeld verabschiedet und dürfte mittlerweile im Flieger nach Amsterdam sitzen - Winke Winke, war schön mit Dir!


Bye Bye Kaohsiung


Wir schreiben nun die Woche 2 unseres 3. Trimesters. Anders als verabredet hat doch nicht der Dozent unserer 1. Wahl unseren selbstgestrickten Grammatik-Kurs übernommen. Die Gründe hierfür bleiben uns und ihm leider verborgen, was wir beiderseits etwas schade finden... Mit der jetzigen Dozentin, die immerhin auf Platz 3 unserer „Wunschliste“ aufgeführt war, sind wir aber auch zufrieden. Wir hatten sie bislang zwar noch nicht im Unterricht erlebt, allerdings wurde sie von Wuzhen – unserer vietnamesischen Australierin, die wir als 3. im Bunde gewinnen konnten, damit der Kurs zu unseren gewünschten Zeiten zustande kommt – wärmstens empfohlen. Bislang wurden wir diesbezüglich noch nicht enttäuscht :o)

Nicht enttäuscht wurden wir auch bezüglich unserer Hoffnung, dass sich noch ein/e 4. Kursteilnehmer/in findet (eigentlich Mindestanzahl für das Zustandekommen eines Kurses). Sönke und ich hatten nämlich den Kurs in dem Sinne „zusammengestrickt“, dass wir uns bereit erklärt hatten, die Trimestergebühr für den fehlenden 4. Kursteilnehmer zu übernehmen, damit der Kurs notfalls auch zu dritt stattfinden kann (alle anderen Modelle, wie z.B. Einzelunterricht oder Zweierunterricht, wären uns teurer gekommen). Uns wurde daher zugesagt, dass wir dieses Geld zurückerstattet bekommen würden, sollte sich der 4. Kursteilnehmer noch einfinden… tat er dann glücklicherweise auch! Ungeplanterweise fanden sich dann auch noch Kursteilnehmer 5 und 6 an, daraufhin 7 und 8 und ärgerlicherweise auch noch 9 und 10! Ärgerlicherweise deshalb, weil der Kurs damit für unseren Geschmack eigentlich überfüllt ist, da die Unterrichtspraxis eines Einzelnen dabei doch etwas zu knapp kommt. Glücklicherweise handelt es sich bei 10 Leuten auch um die Höchstanzahl für einen Kurs, so dass wir innerhalb der Orientierungswoche (1. Trimesterwoche) wenigstens nicht noch mehr werden konnten!

Wir wurden sogar einer weniger, denn ein Japaner, der in China Chinesisch gelernt hatte, kommt mit den in dem Kurs behandelten Hörspieldialogen im taiwanischen Regionaldialekt (Lehrbuch: 迷你廣播劇 - Mini Radio Plays) nicht so recht klar… so die offizielle Begründung seinerseits. Als höflicher Japaner wollte er wohl nicht sagen, dass er hierhergekommen ist, um Chinesisch zu lernen und nicht um Schauspieler zu werden ;o)

Es zeichnete sich nämlich schon in der 1. Kurseinheit ab, dass unsere Dozentin sehr auf Theaterspielen steht… uns kam es auch etwas befremdlich vor, wie sie, Gefühle wie Ärger oder Trauer vorführend , vorne an der Tafel herumgestikulierte und nebenbei nahezu übergangslos in freudiger Überraschung einen unserer Uni-Affen, der gerade am Fenster vorbeiging, mit einem „Hi, Affe!“ begrüßte, um genauso übergangslos wieder zu ihrem Lehrprogramm zurückzukehren. Das nennt man wohl temperamentvoll… oder auch lebendiger Unterricht.

Bitte machen Sie ein doofes Gesicht - Danke!

Auch wenn wir ja eher nicht darauf stehen, ein und denselben Satz in verschiedenen Emotionsrichtungen auszusprechen – und das auch noch in einer Fremdsprache! – gewöhne ich mich langsam an die Form des Unterrichtes. Sönke grummelt noch ein bisschen rum, damit kann er aber wunderbar den gesetzten Firmenchef mimen - der in unserer 1. Lektion eine Rolle spielte – wie auch die Dozentin bereits am 1. Tag feststellte, woraufhin Sönke von ihr den Spitznamen „Chef“ erhielt, zumindest während der 1. Lektion :o)


Unser Nachrichten-Lesekurs gestaltet sich zwar weniger spektakulär, ist aber deshalb nicht weniger spaßig. Unsere dortige Dozentin, die wir schon als „Begleitung“ unseres „Meister Shi“ (a.k.a. Dozent 1. Wahl) bei diversen Kneipenabenden kennengelernt hatten, nennen wir liebevoll „kleine Schwester“, mit ihren frischgebackenen 26. Jahren ist sie auch die jüngste des Kollegiums.

Sie behandelt uns übrigens genauso liebevoll: Als ich kürzlich aufgrund von Krankheit 2 Tage nicht zur Uni gegangen bin (keine Ahnung was ich hatte, aber als Symptom zeigte sich extremer Druck in den Ohren mit Schwindelanfällen - wahrscheinlich aufgrund einer herannahenden Erkältung, die aber glücklicherweise nicht durchgekommen ist... nu ist wieder gut!), wies sie Sönke an, mich bewusstlos zu schlagen und zum Arzt zu schleifen, falls ich mich weigern sollte dorthin zu gehen... Er hat sich aber nicht getraut ;o)


Das mit dem von uns für dieses und nächstest Trimester angestrebte Stipendium hat sich übrigens erledigt... dieses Jahr hat die taiwanische Regierung nämlich keine Gelder für so unwichtige Dinge über, doof!


In Sachen Herkunftsländer unserer Kommilitonen hat sich dieses Trimester nicht viel getan. Wie gehabt kommen unsere Mitstudenten überwiegend aus Japan, gefolgt von Vietnamesen und Amerikanern. Neu ist, dass auch ein Taiwaner(!) im Nachrichten-Kurs zu uns gestoßen ist… wie sich später herausstellte, handelt es sich um den Sohn einer in die USA (L.A.) ausgewanderten taiwanischen Familie, der für 3 Monate nach Taiwan gekommen ist, um sein Leseverständnis zu verbessern. Anders als ich ist er allerdings in Taiwan geboren und erst mit 3 Jahren weggezogen. Ein kontaktfreudiger junger Mann, der Anschluss sucht, was mich sehr erfreut, denn L.A. ist bestimmt mal eine Urlaubsreise wert ;o) und wenn man schon mal da ist, könnte man ja auch einen Abstecher nach San Francisco machen, von dort kommt nämlich eine weitere taiwanische Amerikanerin, die wie ich, auch im Ausland geboren wurde. Herrlich zu hören, dass die taiwanische Kultur auch für die beiden, trotz ihres stärkeren familiären Bezuges (wenn man bei mir überhaupt von einem Bezug reden kann…!?), in mancher Hinsicht sehr befremdlich erscheint… wo bekommt man eigentlich noch Entenköpfe inkl. Schnabel und vergammelten Tofu als Delikatesse?!


Selbstportrait dreier Brillenschlangen am Busbahnhof

Sönke diesmal ohne doofes Gesicht, dafür ich mit Doppelkinn, Milefo lässt grüßen!

Dienstag, 10. März 2009

Über die Insel und zurück

[von sönke]

Wir sind zurück aus dem Urlaub mit Izns Mutter Meike, für den wir uns wieder ein Auto gemietet haben, um unabhängig unterwegs zu sein und an schönen Punkten ohne zeitliche Begrenzung stoppen zu können.
Am ersten Tag fuhren wir von Kaohsiung aus nach Foguangshan, dem größten buddhistischen Kloster in Taiwan, wo wir einige Stunden verbrachten.

Man hätte aber auch ebenso gut das doppelte der Zeit dort verbringen können, denn das Kloster ist weitläufig und parkähnlich gestaltet, so dass man dort auch einfach nur auf einer Bank sitzen und entspannen kann.



Zurück vor den Toren des Klosters belagerte eine Meute taiwanischer Frauen eine frisch eingetroffene Lieferung Ananas und sicherte sich die größten Exemplare, wir konnten uns aber immerhin mit einem mittelgroßen für die Weiterfahrt versorgen.

Es ging weiter nach Maolin, welches wir eigentlich schon immer mal an einem Wochenende besuchen wollten, aber irgendwie nie geschafft hatten. Als erstes ging es zu einer heißen Quelle, die jedoch überfüllt war, so dass wir eine Alternativquelle ansteuerten und so doch noch zu unserem heißen Bad unter freiem Himmel kamen.
Am nächsten Morgen begaben wir uns auf die Suche nach den Schmetterlingen, für die das Tal von Maolin berühmt ist, und wir wurden sogar an einigen Orten fündig.


Weiter ging es auf den South Island Cross Highway, wo sonniges Wetter herrschte, allerdings wurde es mit zunehmender Höhe etwas diesig. Spektakulär war die Fahrt durch den Tunnel bei Yakou, dem mit 2700 Metern Höhe höchsten Punkt der Straße: obwohl nur einige hundert Meter lang, war das Wetter am Tunnelausgang komplett anders als am Eingang, es herrschte nämlich auf einmal Nieselregen und dichter Nebel, so dass man kaum sehen konnte, wo sich die Straße befindet.
Gut, dass unser nächster Übernachtungsstopp in einer Art Jugendherberge dort oben gleich um die Ecke war.

Der nächste Tag brachte etwas bessere Sicht, und wir fuhren weiter zur Lisong Hot Spring, die laut Reiseführer als schönste heiße Quelle Taiwans gilt. Dies gilt sie unter anderem, weil der Weg dorthin etwas länger dauert und daher kaum Menschen dort sind. Wie wir feststellten, dauert der Weg nicht nur lange, sondern ist auch sehr beschwerlich, da es einen sehr steilen Pfad, teilweise mit installierten Seilen, über ca. 300 Meter Höhenunterschied nach unten zu einem Fluss, den man dann noch zweimal durchqueren muss, hinuntergeht.


Nach 1,5 Stunden am Fluss angekommen, wunderte sich Izn über zwei Seile, die quer über den Fluss gespannt waren. Diese dienten offensichtlich nicht zur Durchquerung, denn bei den Seilen war der Fluss relativ tief und breit. Die Antwort erhielt sie kurze Zeit später, als sie beim Durchqueren wegrutschte, und von der Strömung mitgerissen wurde. Ihre Reise als Treibholz konnte sie mit einem beherzten Griff an die zwei Seile unterbrechen, das nennt man wohl ganzheitliches Lernen.



Die zweite Flussdurchquerung verlief ebenfalls sehr turbulent, nachdem ich zuvor die Tiefe des Flusses unterschätzt hatte und die Grenze zwischen Wanderbekleidung und Badebekleidung im wahrsten Sinne des Wortes verschwimmen ließ. Belohnt wurden wir mit den heißen Quellen, die wir für uns allein hatten und deren Anblick und Lage wirklich sensationell ist.



Wenn es einem in den heißen Quellen zu warm geworden ist, kann man mit einem Bad im kühlen Gebirgsfluss nebenan Abhilfe schaffen, ebenso kann man die in den Sand gegrabenen Pools mit dem heißem Quellwasser durch Zumischen von Flusswasser auf die Wunschtemperatur bringen.



Unter der Hotsprings-Dusche


Um ein Haar hätten wir allerdings keine Fotos von diesem Naturschauspiel zeigen können, denn auf dem Rückweg verrechnete ich mich abermals beim Queren des Flusses, wurde von der Strömung mitgerissen und verlor den (wasserdichten) Fotoapparat. Die Strömung im Fluss ist ziemlich stark, also schienen alle Fotos mitsamt dem Apparat verschwunden, doch Spürnase Izn gelang es tatsächlich, die Nadel im Heuhaufen zu finden, was uns für kurze Zeit den bevorstehenden Aufstieg vergessen ließ, der wie befürchtet sehr anstrengend wurde.

Nachdem wir am Abend ein nettes Hotel (mit eigener heißer Quelle, versteht sich) in Ruisui im East Rift Valley gefunden hatten und uns abermals mit einem heißen Bad von der anstrengenden Tour zur heißen Quelle erholen konnten, wurde Izn leider nachts krank und verbrachte die nächsten zwei Tage vorwiegend liegend auf der Rückbank im Auto. Unsere geplante Rafting Tour war ohnehin schon aus Wassermangel im entsprechenden Fluss abgesagt, so dass wir spontan einen Abstecher in die Taroko Schlucht unternahmen, um Meike diese Sehenswürdigkeit einmal zeigen zu können.

Die Nacht verbrachten wir an der Ostküste in einem wunderschönen Bed & Breakfast direkt am menschenleeren Strand von Jici,


ein morgendliches Bad in der Brandung des Pazifiks war somit Pflicht.



Langsam bummelten wir die Ostküste weiter Richtung Süden hinunter, um an allen Sehenswürdigkeiten einen Stopp einzulegen, was außer uns auch diverse Reisegruppen mit gecharterten Reisebussen taten, so dass wir bald bei jeder Sehenswürdigkeit von uns bekannten Gesichtern umgeben waren.



Unser letztes Bad in einer heißen Quelle war schon wieder einen Tag her, also checkten wir abends in ein Hotel bei den Jinluan Hot Springs ein, von dem man bei einem heißen Bad wunderbar hinunter auf das Meer blicken kann, wie wir am nächsten Morgen feststellten.
In einem weiteren Becken sahen wir zwei Taiwaner, die ihre Füße badeten. Bei näherem Hinsehen entdeckten wir, dass das Becken außer warmen Quellwasser noch kleine Putzerfische beherbergte, die zum Frühstück einen kleinen Hornhautimbiss einnahmen, lecker!


Auch wir erbarmten uns und fütterten ein wenig die Fische, bevor wir nach Kending, unserer letzten Etappe, fuhren.


Nicht ohne meinen Regenschirm: Sonnenbad auf taiwanisch


Auf einem Ausflug per Moped entdeckten wir dort in einer Bucht eine Schule taiwanischer Schnorchler, die zusammengebunden vom ihrem Lehrer an Land geschleppt wurden, ein wirklich skurriler Anblick, da außer dem Lehrer niemand einen Flossenschlag tat.

Der Urlaub endete mit einer Taxifahrt von Kending zurück nach Kaohsiung (ca. 90 Kilometer), denn ein Taxi (300 NTD/Person) war zu dritt günstiger als der Bus (350 NTD/Person). Darüberhinaus geht es mit dem Taxi auch noch viel schneller, denn mit einem Pkw kann man viel besser an anderen Fahrzeugen, die unverständlicherweise vorschriftsmäßig an einer roten Ampel anhalten und auf grün warten, über die Mopedspur rechts vorbeifahren, als mit einem ganzen Bus ;o)
So waren wir in genau 1 Stunde und 30 Minuten am Zielort angelangt und wurden sogar bis vor die Haustür gefahren. Geplante Fahrtdauer mit dem Bus bis zum Kaohsiunger Hauptbahnhof: 2 Stunden und 20 Minuten!

Noch mehr Fotos von unserer Fahrt findet Ihr hier.

Freitag, 27. Februar 2009

Kurze Abwesenheitsnotiz

[von sönke]

Wir haben die Abschlussprüfungen erfolreich hinter uns gelassen und freuen uns schon auf das nächste Trimester, vorher haben wir jedoch noch 10 Tage am Stück frei, die wir wieder mit Reisen verbringen werden. Dies werden wir natürlich nicht alleine zu zweit tun, sondern in Begleitung von Izns Mutter Meike, die rechtzeitig eingetroffen ist, um uns zu begleiten.

Der Plan sieht vor, uns für 6 Tage ein Auto zu mieten und wieder eine Inseldurchquerung zu wagen, diesmal jedoch nicht auf dem Central Cross Island Highway wie bei unserer Rundreise im Dezember, sondern auf dem Southern Cross Island Highway, der ebenfalls sehr spektakulär sein soll und entlang dessen es zahlreiche heiße Quellen geben soll. Letztere werden wir uns mit Sicherheit nicht entgehen lassen, schließlich sind wir bei unserem letzten Taipeh Besuch in Beitou auf den Geschmack der heißen Quellen gekommen.

Desweiteren stehen eine Rafting Tour im East Rift Valley sowie eine gemächliche Fahrt die Ostküste hinunter ins tropische Kending an, wo wir das Auto zurückgeben werden, um uns die restlichen Tage ein wenig am Strand zu verlustieren.

Das Wetter hier ist übrigens mit tagsüber um die 30 Grad wieder sehr warm, also macht Euch keine Sorgen, dass wir uns beim Baden im Meer erkälten könnten.
Ein ausführlicher Reisebericht folgt bald, versprochen!